
Sveamaus
Svea Mausolf ist mehr als nur Memequeen auf Instagram, deren Memes verschüttete Erinnerungen aus den Wohnzimmern der komischen Onkel und Tanten wieder aufweckt – auch wenn die widerlichen Aussagen und Verhaltensweisen der Protagonisten einen Vorgeschmack auf die Charaktere in Image geben. Mit selbstironischen Spitzen nimmt ihr Roman die Kleinbürgerlichkeit aufs Korn und lässt schon auf Seite drei die ersten Schauer des Ekels den Rücken hinunterlaufen.
Ob Peggy die Verlobungsfeier ihrer Schwester ohne Krisensitzung mit ihrer Psychologin übersteht, ist nicht die erste Frage, die sich den Lesenden stellt - viel eher fragte ich mich schnell, wie ekelerregend Martin, durch jahrelange Lobpreisungen seiner Eltern, sich noch verhalten konnte. Das schmierige Muttersöhnchen mietet nämlich ein Zimmer in Peggys Wohnung, da diese Ende 30 immer noch ohne Abschluss dasteht und dann auch vom Einkommen ihrer Eltern abgeschnitten wird. Der Inhalt des Buches ist zwar gefüllt von Körpern in allen Formen, ob das Deodorantsalz in der Achsel der Busgäste oder die Wutanfälle der Charaktere. In diesem Buch bekommt die Gesellschaft in allen ihren Abgründen gnadenlos den Spiegel vorgehalten und wie Zuschauer*innen in der Manege eines Zirkus wartet man atemlos auf die nächste Bananenschale, auf der ein abscheulicher Clown ausrutscht, irgendwo zwischen Schadenfreude und Mitleid für die Betroffenen.
Während ihre Memes Momente eines gemütlichen Lebens von ungemütlichen Menschen wiedergeben, zeigt Image den alltäglichen Wahnsinn zwischen dudelnder Radiomusik, schmutziger Eckkneipenatmosphäre und warmer Fanta Mango.
Wir warten mit schweißfeuchten Händen auf die Lesung von Sveamaus, um in den Genuss der Achterbahn der Gefühle zu kommen.