
Brockhoff
Wenn Brockhoff auf die Bühne tritt, fühlt es sich ein bisschen so an, als würde jemand das Innenleben einer ganzen Generation laut aufdrehen und dabei trotzdem flüstern.Hinter dem Namen steckt Lina Brockhoff aus Hamburg, die in den letzten Jahren in ihrem eigenen Tempo ziemlich unaufhaltsam durch die deutsche Indie-Szene gewachsen ist. Ihre Songs klingen oft nach Leichtigkeit, doch unter der Oberfläche von 90s-Nostalgie-Gitarrenriffs brodelt es: Selbstzweifel, Unsicherheiten und diese ganz spezifische Form von Melancholie, die man eher spürt als fassen kann.
Mit ihrer Debüt-EP machte sie 2022 erstmals auf sich aufmerksam, ein roher, ehrlicher Einstieg in ihre Welt. Am 5. Juni erscheint ihr erstes Album „Easy Peeler“. Stellt sie jetzt alles auf Anfang oder vielmehr auf Höhepunkt? Im gleichnamigen Opener des Albums geht es ums Sich-Öffnen, ums Verletzlichsein, ums Schicht-für-Schicht-Freilegen, gebettet auf Gitarre, mit Streichern verfeinert und flankiert von Indie-Rock-Grunge-Pop-Beats. Um dieses paradoxe Gefühl, gleichzeitig stark und zugleich komplett überfordert zu sein. Brockhoff schreibt Songs, die sich nicht verstecken wollen. Musikalisch bewegt sie sich dabei irgendwo zwischen Phoebe Bridgers’ Melancholie und Soccer Mommys‘ Coolness, aber vor allem ist sie sie selbst. Vor kurzem läutete Brockhoff gemeinsam mit Shelter Boy und Philine Sonny, die 2023 auf dem Immergut auftrat, nun endgültig die Festivalsaison ein. In Back Then (I Was Something) lachen, singen und bringen sie uns auf erfrischend ehrliche Weise das Krisenüberstehen nahe. Es ist diese Mischung aus Klarheit und Überlastung, die sie besonders macht. Sie stellt Fragen, ohne sie unbedingt zu beantworten. Sie beschreibt Gefühle, für die man selbst oft keine Worte findet. Und sie zeigt, dass Sensibilität keine Schwäche ist, sondern vielleicht sogar eine Stärke. Wenn sie auftritt, bringt sie Geschichten mit. Und wahrscheinlich auch den einen oder anderen Moment, in dem man kurz innehält und denkt: „Verdammt, genauso fühlt es sich an.“
Oder, um es mit ihren eigenen Worten zu sagen: Manche Menschen sind schwer zu knacken. Brockhoff nicht. Sie ist eine „Easy Peeler“ und geht genau deshalb so tief.