Mourn

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Photo: Noemi Elias

Bekanntlich liegen in Sachen Fußball zwischen den Vereinen der Städte Barcelona (FC Barcelona) und Neustrelitz (TSG Neustrelitz e.V.) Welten: glamouröse Abende in der Champions League in der katalanischen Hauptstadt, Tristesse der Regionalliga Nordost in der Residenzstadt der der Herzöge von Mecklenburg-Strelitz, Lionel Messi dribbelnd im gegnerischen Strafraum, Thomas Brdaric an der Seitenlinie - eindeutig eine Kategorie, in der das Immergut Festival mit dem diesjährigen Motto „Spiel, Satz, Lied“ selbst als David nicht antreten sollte. Klar, es gibt keine Kleinen mehr… für uns kein Grund zu trauern.

Zugegeben, der Name der katalanischen Band Mourn kann eine Steilvorlage für Bonmots oder sprachliche Peinlichkeiten sein wie man sie heute zwischen den auswendig gelernten Antworten von Sportler hören wollte. Der Name mag zwar zufällig von Carla Pérez Vas und Jazz Rodríguez Bueno gewählt, doch retrospektiv und von außen betrachtet, war dieser Zufallsfund im Wörterbuch kein schlechter: ein Label, das die Platte nicht in Spanien veröffentlichen wollte, musikalische Inspiration bei PJ Harvey, Sleater Kinney und anderen Bands einer vergangenen Zeit mit dem Genre-Tag „Alternative Rock“: kurze, präzise Gitarren-Songs und eine gewissen Teenager-Wut in den Texten. Nach den beiden ersten Alben „Mourn“ und „Ha, Ha, He“ im Schwarz-Weiß-Look wird es bei Mourn bunter – zumindest auf den Plattencovern. Die neue Bildsprache verstärkt den Widerspruch zwischen Bandnamen und Darstellung, egal Atelier oder ein eigenartig absurdes Portrait auf „Sorpresa Familia“. Gereift und gewachsen, doch dem eigenen musikalischen Leitbild treu.

Mourn ist geographisch betrachtet im 19. Jahr also die erste Band-Verpflichtung südlich der Pyrenäen auf dem Festival, musikalisch doch Teil der Immergut-Familie. Statt einer zirkusreifen Präsentation des Neuzugangs bin ich froh, dass die Wertschätzung „unserer“ Bands ganz einfach vor der Bühne erfolgt. Applaus. Benvinguda.



Text: Sepp

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