Drangsal

Main kleiner   thomas hauser

Photo: Thomas Hauser

Vor seinem ersten Mal beim Immergut prophezeite Max Gruber alias Drangsal im Interview: Man werde von seinem Auftritt enttäuscht sein. Er träumte damals von einem „Zehn-Mann-Orchester“, war im Kopf schon längst wieder bei neuen Songs, einem neuem Sound und tourte doch gerade erst mit seiner gefeierten Debütplatte „Harieschaim“, der hit-vollen Reminiszenz an die Musik der 80er und seine Heimat Herxheim. Songs, die zu diesem Zeitpunkt für Gruber teilweise vier Jahre alt, für sein Publikum jedoch völlig neu waren. Drangsal wollte sich selbst überholen und musste erst einmal ankommen. Eine Geduldsprobe. Seine Prophezeiung fürs Immergut bewahrheitete sich nicht. Die Enttäuschung blieb aus, stattdessen sammelten sich in Neustrelitz vor allem junge Fans mit leuchtenden Augen am Bühnenrand im Zelt und freuten sich über Autogramme. Nur einige Ältere hätten sich Drangsal „krasser“ vorgestellt. Nicht musikalisch, sondern im Auftreten. Denn Gruber hatte in seinen ersten Interviews ordentlich gegen andere Bands ausgeteilt und auch dadurch von sich reden gemacht. Zwei Jahre ist das alles her. Jetzt kommt Drangsal wieder und bringt Ärger mit – oder „Zores“ wie man in der Südpfalz sagt, wo Gruber herkommt. Seine Wut verpackt er nicht mehr in provozierende Kommentare, auch nicht in Hall und elektrische Schlagzeugklänge, sondern in mehr Tiefe, Klarheit und größtenteils in die deutsche Sprache. Mit verantwortlich für die Platte: die Produzenten Markus Ganter und Max Rieger (Die Nerven). Die ersten Singleauskopplungen „Turmbau zu Babel“ und „Arche Gruber“ erinnern an die großen biblischen Geschichten. Es geht um Verlangen, Sehnsucht und Fantasie, verpackt in Popmusik, die es ganz leicht macht, den Ärger einfach wegzutanzen.

Text: Anne

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