Anja Rützel

Ar farbe

Photo: Anja Rützel

Es war Donnerstag, der 11. Januar 2018, als ich Anja Rützels Reportage zur neuen Staffel vom Bachelor las. Ich stand in meiner Küche und grinste auf meinen Handybildschirm hinab und klammheimlich hatte sie mich an der Angel. Ich war um den Finger gewickelt, verführt von ihren Worten, ihrer bildlichen Sprache von dem wie Teflon sprechenden Bachelor, auf der Suche nach der großen Liebe. Selbstverständlich seinem Herzen folgend, schließlich geht es ja um große Gefühle.
Ich musste mir einfach ein eigenes Bild davon machen, sodass kurz darauf die aktuelle Folge auch vor meinen Augen flimmerte. Zunächst schaute ich ein bisschen beschämt, dann mit steigendem Vergnügen, hatte ich doch angesichts der sich abspielenden Absurditäten stets Anja Rützels Worte im Ohr. Es gehört schon einiges an Humor und Schreibtalent dazu, dem televisionärem Niveau-Limbo so viel Format einzuhauchen, wie sie es kann. Ihre Freude am scheinbar geistigen Sinkflug und ihr Sinn für Details, befreit von der mir so eigenen Fremdscham, macht ihre Reportagen zum TrashTV zu kleinen Perlen des Kulturjournalismus.
Ich war nicht überrascht zu erfahren, dass dies nicht ihr einziges Steckenpferd ist. Bereits im März 2017 veröffentlichte sie ihr Buch Saturday Night Biber. Popkultur trifft Fauna.
Wer hätte gedacht, dass es Unboxing-Videos von Fauchschaben für Krabbeltier-Fans gibt, Alpacas ganz schöne Blender sind und Biber, ja Biber, von denen will ich gar nicht erst anfangen.
Ich freue mich schon, am Freitag vor dem Birkenhain zu sitzen. Wahrscheinlich in einem Tier-T-Shirt, nur damit wir uns im Fanclub erkennen. Deal? Deal!

Text: Klara

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