Andreas Dorau & Gereon Klug über die Charts

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Photo: Andreas Dorau & Gereon Klug

Das Immergut Festival läuft seit 19 Jahren in der Rubrik „Indie“ unter den vielen Festivals – eine Kategorie Musik, die von hohen Chart-Platzierungen so weit entfernt ist wie die Beschreibung des Zierker Sees als klaren Bergsee (und die Frage lautet hier nicht, ob Adjektiv oder Nomen die Übertreibung sind). Ausgerechnet – so wird gerne in Sportberichten geschrieben – im nachmittäglichen Sonnenschein soll über die „Charts“ geredet werden? Ein Sommertagstraum.

Wenn die beiden Grandseigneure der Hamburger Indie-Bürgerschaft Andreas Dorau und Gereon Klug über Charts reden wollen, dann fällt mir zwangsläufig das letzte Album von Dorau ein: „Die Liebe und der Ärger der Anderen“ – ja, so fühle ich mich, wenn Namen wie Helene Fischer, Santiano oder Mark Foster im niedrigstelligen Bereich einer Top 100 aufgelistet werden. Was ist das nur für ein Abbild der Musikwelt reduziert auf ordinäre Zahlen? Statt stickiger Luft in engen Clubs denke ich an Büros, in denen auf einem alten UKW-Radio je nach Region eine „Morning Show“ läuft, quasi der Supermarkt der Chart-Musik. Hier werden die schönsten Früchte poliert in der Auslage präsentiert. Opium für den Arbeitsalltag. Petit Four für den Plattenschrank. Kein Sehnsuchtsort für Musikschaffende, aber eine spannende Exploration ins Unbekannte?

Ja. Andreas Dorau wollte Alles erreichen: Single-Charts, schön und gut, aber einmal auch in die Album-Charts. Die beiden Herren haben sich also auf den Weg gemacht, Terra incognita zu erkunden. Don Panza und Sancho Quijote, Musiker und Plattenlabelbetreiber. Zwei scharfsinnige Beobachter von Musik und Gesellschaft: Andreas Dorau vornehmlich mit seinen Songtexten, Gereon Klug als Autor von Büchern und dem besten Label-Informationsbrief seit der Erfindung der Hanseplatte. Für den Reisebericht ist eine Bühne in Neustrelitz geblockt – die E-Mails müssen noch raus.


Text: Sepp

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