Immergut 2006

2006   thomas victor

Foto: Thomas Victor

Es ist tatsächlich geschehen. Die Statistiker sollten mit ihrer Regenprognose Recht behalten, und wie! Bei gefühlten fünf Grad unter Null und Dauerregen machen wir es uns gemütlich. Maiglöckchen werden gepflanzt und sprießen überall. Dazu kommen alte Helden aus dem Winterschlaf und feiern ihre Wiederauferstehung. Ein Traum wird wahr und 2007 lacht auch die Sonne wieder!

Datum
26. & 27. Mai 2006

Künstler
Amy Millan
Art Brut
Blumfeld
Broken Social Scene
Die Regierung
Feist
Flowerpornoes
Fotos
Gregor Samsa
Jason Collett
Luke
Mew
Midlake
MIA.
Monoland
Klez.e
Okkervil River
Pale
Phantom/Ghost
Radio 4
The Appleseed Cast
Tomte
Yeah Yeah Yeahs

Wohnsitz

Veranstalter
immergutrocken e.V.

Gäste
5.000 (ausverkauft)

Sponsoren
Becks
Bibop
Billy Boy
NeuWo
Nike
Phillip Morris
Red Bull

Medienpartner
Festivalguide
Intro
Jetzt.de
Motor FM
PNG
Radio Lohro
Spex

Unterstützung
Autohaus Utpott
Braasch Reisen
Deutsche Post AG
Hafenbahn e.V.
Herr Grund
Motocross e.V.
Wassersportverein Neustrelitz

Immergutzocken Finale
Team-V vs. Fanmannschaft III 2:0

Podcast
Was haben Thees, Markus, Tim, Zachary und wieder Markus gemein? Alle beglückten uns 2006 mit ihrem Sprachtalent – feinste Unterhaltung und gezielte Informationen findet ihr im 2006er Immergut Podcast: Immergut Wiesenschnack

Feist beim Immergut
2006 war nicht viel zu tun. Also schnappte sich Swantje ein Mikrofon und einen alten Kassettenrekorder. Dann ab in den Künstlerbereich. Und bei Feist nach dem Befinden erkundigt. Hier ihre Diagnose

„Solo auf der Hauptbühne – das wäre schrecklich!“
Leslie Feist über Festivalwetter, ihre deutschen Vorfahren, Remixe und ihr neues Album

Du bist vor ein paar Stunden hier angekommen und hattest schon ein bisschen Zeit, dich umzusehen. Wie war dein erster Eindruck vom Immergut Festival?
Feist: (lacht) Als ich ankam, musste ich erst mal lachen. Denn egal, auf welches Festival man kommt, ob es in Amerika, Kanada, Belgien oder Deutschland ist: Immer tragen die Leute Winter-Klamotten. Man ist draußen auf dem Land und dort ist es kälter als man denkt. Und irgendwie regnet es auch immer. Aber das macht Festivals auch so interessant und stark. Ich finde, das Wetter ist ein guter Equalizer. Ich habe einmal in Kanada auf einem Festival gespielt und plötzlich fing es an, zu blitzen und zu donnern. Jeder musste rennen, um sich unterzustellen bei diesem 20-minütigen Gewittereinbruch. Das war das Gesprächsthema für den Rest des Wochenendes. Und jeder war total dreckig.

Ja, dieses Jahr haben wir nicht so viel Glück mit dem Wetter. Bisher hatten wir immer Sonnenschein und gutes Wetter – wie der Name des Festivals schon sagt.
Feist: Aber es ist immer noch gut. Wenn es auf Festivals regnet, dann fühlt es sich noch mehr an wie Zelten im Sommer. Alle sind zusammen und machen es gemeinsam durch. Und hier stehen diese tollen Bauwagen, wohin man bei einem Schauer flüchten kann. Diese Wagen sind wirklich etwas Besonderes. Jemand hat sich viel Mühe bei der Deko gegeben, um diesen Chevy-Schick da herein zu zaubern.

Du warst eben schon zusammen mit Jason Collet auf der Bühne. Wie war’s?
Feist: Ich liebe es, mit ihm zusammen zu spielen. Ich liebe seine Band und seine Musik. Wir waren letztes Jahr vier Monate zusammen auf Tour in Kanada und Amerika. Wir haben schon oft zusammen gespielt. Und immer wenn wir in derselben Stadt sind, gehen wir gemeinsam auf die Bühne.

Es muss ungefähr ein Jahr her sein, dass ich Feist für mich entdeckt habe. Und von Anfang an wollte ich wissen, was es mit dem Namen auf sich hat. Ist Feist ein deutscher Name?
Feist: Ja, beide Seiten meiner Familie kommen aus Deutschland. Der Name meiner Familie mütterlicherseits ist Achen. Ihre Vorfahren kamen aus Aachen, aber in Kanada wurde ein A gestrichen und man spricht es dort „Eken“ aus. Feist ist der Name der Familie meines Vaters. Sie kam aus Trier. Aber die Vorfahren meines Vaters sind schon 1830 oder so ausgewandert. Und ich bin in Kanada aufgewachsen – ohne irgendeine besondere Bindung zu Deutschland. Es wurden keine deutschen Traditionen bewahrt über diesen langen Zeitraum.

Du arbeitest gerade an einer neuen Platte. Wann können wir die hören?
Feist: Das neue Album wird im Januar rauskommen.

Dann bin ich gespannt. Wird es neue Titel geben? Die Songs auf „Open Season“ sind ja alles Remixe. Ich war schon ein bisschen enttäuscht, dass keine neuen Stücke drauf waren.
Feist: Eigentlich weiß ich nicht, warum dieses Album veröffentlicht wurde. Ich dachte, es wäre so eine Brücke zwischen dem alten und dem neuen Album. Aber jetzt lenkt es die Leute von ihrer Neugier auf das nächste Album ab. Es sind nur Remixe. Alles was ich daran gemacht habe, ist die Leute zusammenzubringen, die ich mag und sie zusammen auf ein Album zu packen.

Im Booklet von „Open Season“ schreibst du, dass du gar nicht genau wusstest, was Remixe sind. Ist das jetzt anders? Hast du jetzt ein anderes Verständnis oder ein anderes Gefühl für Remixe?
Feist: Es gibt eine riesige Community von Leuten, die Remixe machen und sammeln. Ich kann nicht sagen, dass ich da drin stecke und mich auskenne, aber ich habe verstanden, worum es geht. Im Grunde werden die Songs nur neu abgemischt. Es sind Re-Makes. Aber das ist eigentlich nichts, was ich besonders interessant finde. In meinem Fall fand ich nur diese speziellen Remixe musikalisch interessant. Aber sie stehen nicht für sich allein als Songs, sondern hängen mit meinem alten Album zusammen. Es ist, als ob mein Baby „Let it die“ erwachsen und selbständig geworden, von zu Hause weggegangen und mit völlig anderen Klamotten zurückgekommen ist. Ich mag die Remixe, besonders die VV-Mixe am Ende der Platte. Aber ich wollte gar nicht, dass „Open Season“ so viel Aufmerksamkeit erhält. Ich dachte, dass nur Leute, die Remixe mögen, die Platte entdecken würden.

Beim Reinhören dachte ich, dass es mehr ein Album für DJs sei.
Feist: Ja, ich auch. Aber jetzt weiß jeder davon und ich bin irgendwie ein bisschen enttäuscht. Denn ich möchte nicht, dass die Leute „Open Season“ hören und damit ihre Neugier auf mein nächstes Album stillen. Denn das nächste Album bedeutet mir viel mehr und ist etwas ganz Besonderes für mich.

Was können wir denn erwarten?
Feist: Ich weiß nicht. Es ist ja noch nicht fertig. Mit „Let it die“ war es so, als ob man einen vertrauten Geruch wahrnimmt, der Erinnerungen weckt, aber man nicht weiß, wo diese Erinnerungen herkommen. Bei dem neuen Album habe ich das Gefühl, dass es das alte auf eine bestimmte Art vollendet. Es geht tiefer als „Let it die“, aber in derselben Art von Melodie, Gefühl und Schlichtheit. Und es wird mehr Live-Instrumente geben.

Du hast auch den Song „Fighting away the tears“ mit Mocky zusammen aufgenommen. Der läuft hier gerade oft im Radio.
Feist: Ja? Das ist cool!

Wird der Song auch auf deinem neuen Album sein?
Feist: Mocky und ich haben den Song zusammen geschrieben. Die Abmachung war, dass er ihn auf sein Album nimmt und ich eine andere Version auf meine Platte nehme. Also, ich werde noch meine eigene Version von „Fighting away the tears“ machen.

Wie kam es überhaupt zu der Zusammenarbeit mir Mocky?
Feist: Ich kenne ihn jetzt fast seit zehn Jahren, noch aus Kanada. Er ist in derselben Crew wie ich, zu der auch Peaches, Gonzales, Taylor Savvy oder The World Provider gehören. Wir sind sozusagen eine Gang. Und Mocky arbeitet auch mit mir an meinem neuen Album. Er hat viel Percussions gespielt und die Songs mitarrangiert.

Du wohnst in Paris, deine Familie und viele deiner Freunde leben in Kanada und dann kommen noch die Touren in der ganzen Welt dazu. Erfüllt das viele Herumreisen dein Leben? Droht man nicht einsam zu werden?
Feist: Nein. Aber ich kann das auch mit nichts vergleichen. Es ist mein Leben geworden. Ich bereue nichts. Ich liebe, was ich tue. Und jetzt habe ich eine Band – die sind wie meine Brüder, richtige Freunde. Das macht das Leben so viel einfacher. Es ist, als ob man sein zu Hause mit auf Reisen nimmt. Als ich das erste Jahr auf Tour war, habe ich heimatlos gefühlt und war verwirrt. Mein Körper hat mir das gezeigt, ich war ständig müde. Ich wusste nichts mit mir anzufangen. Aber wenn man über diesen körperlichen Punkt hinweg ist, und sich an den ständigen Wechsel des Tagesrhythmus gewöhnt hat, dann fühlt man sich wesentlich besser. Ich denke schon, dass ich eines Tages mein Zuhause an einem festen Ort finden werde. Aber das hat keine Eile. Das heißt wohl, dass ich jetzt zufrieden damit bin, wie ich lebe. (lacht)

Kurz: Die Musik ist dein Leben?
Feist: Ja. Es ist mehr die Freundschaft, die die Musik macht. Heute Abend werde ich allein spielen und das ist sehr interessant für mich. Denn es gab eine Zeit, in der ich nur solo aufgetreten bin. Und das hat mich irgendwann verrückt gemacht. Denn du machst die Musik nicht mit jemandem zusammen. Sie verändert sich nicht, wächst nicht. Aber jetzt macht es wieder Spaß, alleine aufzutreten.

Was können wir heute Abend erwarten? Eine große Show?
Feist: Ich weiß nicht. Ich hoffe. (lacht) Ich wünsche mir, dass es für mich großartig wird. Ich bin egoistisch. Aber ich habe immer das Gefühl, dass es dann auch für das Publikum großartig ist. Zum Glück spiele ich auf der kleinen Bühne im Zelt. Solo auf der Hauptbühne – das wäre schrecklich! Was ich am Zelt mag, ist, dass der Klang von den Wänden zurückkommt. Wenn man draußen spielt, dann fliegt die Musik davon und du kannst ihr tagelang nachgucken. Ich finde es besser, wenn sie zu mir zurückkommt. (lacht)

Gibt es eine bestimmte Band, worauf du dich heute Abend ganz besonders freust?
Feist: Ich war sehr neugierig auf diese „Mia“, die jetzt gerade spielen. Ich habe die Sängerin vor fünf Jahren getroffen.

Gut, dann will ich dich nicht länger davon abhalten, dir Mia anzusehen. Vielen Dank für das Interview.

Autor: Jürgen Mutz