Immergut 2005

2005   thomas victor

Foto: Thomas Victor

Auch im sechsten Jahr keine Wolke in Sicht? Genau, aber langsam wird es wirklich unheimlich. Statistiker prognostizieren 2006 Regen. Und wenn schon! Rückblickend können wir behaupten, musikalisch da angekommen zu sein, wo wir immer hin wollten. Die Liebe zur Musik kann einmal mehr über das Immergut Festival transportiert werden- Wir konnten unseren musikalischen Helden die Hand reichen und sind stolz uns mittlerweile auch ihren Respekt erarbeitet zu haben.

Datum
27. & 28. Mai 2005

Künstler
Angelika Express
Boxhamsters
Deichkind
Florian Horwath
Girls in Hawaii
Kante
Kate Mosh
Koufax
Last days of April
Madsen
Maximo Park
Melody Club
Moneybrother
Monta
MS John Soda
Nada Surf
Puppetmastaz
Seidenmatt
Styrofoam
The Album Leaf
The Robocop Kraus
Timid Tiger

Wohnsitz

Veranstalter
immergutrocken e.V.

Gäste
5.000 (ausverkauft)

Sponsoren
Becks
Desperados Beer
Motor
NeuWo
Nike
Pall Mall
Red Bull
Schwarzer Krauser
Sparkasse MST

Medienpartner
Festivalguide
Intro
Motor FM
Spex

Unterstützung
Autohaus Utpott
Deutsche Post AG
Gerüstbau Werdermann
Hafenbahn e.V.
Motocross e.V.
TOI Dixi
Wassersportverein Neustrelitz

Immergutzocken Finale
SpVgg Florian Horwarth : Traktor Sinnbus 2:1

Künstler beim Immergut
Als wäre die Hitze nicht genug. Zwischen Pressearbeit, Essen und Bands anschauen, wandelte Swantje 2005 im Künstlerbereich. Die Herren waren sehr angetan – Moneybrother und Maximo Park standen sogar Rede und Antwort. Na dann:

MONEYBROTHER
„Einmal Moneybrother mit Ketchup, bitte!”
Moneybrother alias Anders Wendin über Festivals, Erfolg und Ketchup

Auf wie vielen Festivals spielst du diesen Sommer?
Da gibt es einige, ich glaube so um die 50.

50? Alle in Europa?
Ja, die meisten in Skandinavien und Deutschland, aber auch ein paar außerhalb Europas. Fast jeder Gig in diesem Sommer ist auf einem Festival. Man denkt es vorher gar nicht, aber dann kommt man irgendwo an und es ist wieder ein Festival.

Kannst du bei so vielen Festivals überhaupt den Überblick behalten, auf welcher Bühne du gerade stehst?
Na ja, im Moment weiß ich, auf welchem Festival ich gerade bin. Aber nach diesem Sommer… Alles fließt zusammen, weil es doch dasselbe ist. Ich meine, ich habe es noch nicht mal geschafft mir das Festival hier anzugucken…

In Schweden ist Moneybrother ein Star. Was vermisst Anders Wendin am meisten, seitdem er so bekannt und ständig auf Tour ist?
Ach, gar nicht so viel. Es ist sehr schön zu touren, man kommt viel herum und trifft viele nette Leute. Das einzige, was mich manchmal ein bisschen stört, und gerade hier in Deutschland: Alle müssen ein Photo machen und wollen ein Autogramm haben. Man redet gar nicht richtig mit den Leuten. In Schweden will niemand ein Autogramm haben. Da schütteln sie einem einfach nur die Hand.

Und die Journalisten? Nach all den Interviews, die du ständig geben musst: Wie ist dein Verhältnis zu den Musikkritikern und -reportern?
Bis jetzt hatte ich überwiegend positive Kritiken. Ich kann mich nicht beschweren. Aber andererseits gebe ich so viele Interviews… Nach einer Weile wirst du es leid – nicht die Interviews an sich, aber die ganze Zeit über dich selbst zu reden.

Und immer wieder dieselben Fragen zu beantworten?
Ja, immer werde ich gefragt, warum ich mich Moneybrother nenne. Aber es ist einfach ein Name, dafür habe ich keine wirkliche Antwort.

Was genießt du denn zur Zeit am allermeisten?
Ich liebe es, live zu spielen. Live zu spielen macht viel mehr Spaß, wenn einfach viele Leute da sind. Wenn keiner kommt, macht es keinen Sinn zu spielen. Aber jetzt haben wir ein großes Publikum, auch hier in Deutschland.

Heute werden so etwa 5000 Leute dabei sein.
Ja, ich habe gehört, dass das Festival ausverkauft ist. Es ist wirklich schön hier, sieht alles irgendwie gemütlich aus. Ich habe mit einem der Jungs von den Beatsteaks gesprochen; die haben hier mal gespielt. Und er hat mir erzählt, dass sie dieses Festival wirklich lieben.

Ich hoffe, dass dir es genauso gut gefällt. Gibt es eine Band, auf die du dich ganz besonders freust?
Ich habe von den Puppetmastaz gehört. Die sollen wirklich gut und lustig anzusehen sein. Die würde ich gerne sehen.

Du hast Moneybrother mal mit einer Ketchupflasche verglichen. Wie soll man das verstehen?
Na ja, das bezieht sich auf unseren unerwarteten Erfolg. Zuerst öffnest du die Flasche und versuchst etwas Ketchup auf deinen Teller zu tun, aber nichts kommt raus. Dann schüttelst du, und mit einem Mal macht es „pssscch“ und alles ist mit Ketchup überschwemmt. Dieses Plötzliche wird einem manchmal alles ein bisschen zuviel. In Schweden sind wir viel bekannter als hier, die Zeitungen schreiben sehr viel über uns. Man muss sich daran erst noch gewöhnen.

Also du selbst bist immer noch geschockt von diesem Ketchup-Flash?
Ja, immer noch. Zu viel Ketchup ist nicht gut. (lacht)

Die Schlussfrage: Das Leben ist ein Comic, welche Figur bist du?
Ich weiß nicht. Ich lese nicht so viele Comics…. Superman? (lacht)

MAXIMO PARK
„Hier geht`s um die Musik.“
Paul Smith (Gesang) und Lukas Wooller (Keyboard) über das Immergut

Ihr seid viel unterwegs diesen Sommer. Gerade kommt ihr vom Primavera Sound Festival in Barcelona. Wie war die Fahrt nach Neustrelitz?
Paul: Unser Tourbus hat sich bei der Hitze total aufgeladen. Es war wie in der Sauna da drinnen. Aber man sieht so viel vom Bus aus. Die Landschaft ist sehr schön hier. Kleine Dörfer, Felder, Wald und so…
Lukas: Ja, es ist interessant zu sehen, wie sich die Landschaft verändert, wenn man so lange Strecken fährt. Das macht sich schon an kleinen Sachen bemerkbar wie zum Beispiel an der Form der Häuser oder der Farbe der Dachziegel.

Was war euer erster Eindruck vom Immergut Festival in Neustrelitz?
Paul: Unser Bus hat oben eine Luke, die offen stand. Als wir den Weg zum Backstage-Bereich lang fuhren, sind da Äste durchgekommen und haben auf dem Dach rumgekratzt: „krrchchch“. Da dachten wir: „Hier scheint`s viele Bäume zu geben.“
Lukas: Die Künstlergarderoben sind großartig – bunte Bauwagen. Die sind echt alt, oder? Und dann hängt bei uns noch so ein Bild drin – eine gemalte Landschaft. Echt schön. So sehen die Garderoben sonst nicht aus.

Ihr werdet in diesen Sommer groß gefeiert. Die Musikjournalisten stehen Schlange und quälen euch mit Interviews. Gibt es eine Frage, die ihr jedes Mal beantworten müsst?
Paul: Wir müssen immer erklären, wo unser Name herkommt und wie wir uns als Band zusammengefunden haben.
Lukas: Oder warum wir gerade bei Warp Records sind.
Paul: Ja, und ob wir Eighties-Musik mögen. Welche Bands aus den 80ern uns geprägt haben. Das sind so die Standard-Fragen.

Ok, ich versuch mal was Neues zu fragen. Könnt ihr irgendwas über euren Bassisten Archis Tiku verraten? Das Einzige, was ich über ihn erfahren habe, ist, dass er gern guten Wodka trinkt.
(Paul und Lukas lachen.)
Paul: Ja, das stimmt. Ansonsten schläft er sehr viel und redet sehr wenig. Aber er ist ein wirklich netter Kerl.
Lukas: Und ein ausgebildeter Mediziner. Aber er wäre der letzte Arzt auf Erden, zu dem ich freiwillig gehen würde. (lacht)

Die Vorliebe für Wodka teilt ihr offenbar mit ihm. Was ist eigentlich passiert in der besungenen Nacht – „The night I lost my head“?
Paul: Ich habe mit einem Mädchen getanzt, aber zu viel getrunken. Deswegen bin ich überall sehr enthusiastisch rumgesprungen. Ich glaube, dass kam bei ihr nicht so gut an. Trotzdem gab sie mir ihre email-Adresse. Ich habe die ganze Nacht lang versucht, sie nicht zu vergessen. Am Ende hab ich es auch geschafft. Aber dieser Song spielt darauf an, dass es Situationen gibt, in denen man sich nicht an Sachen erinnert. Besonders nach Wodka… (lacht) In dieser bestimmten Nacht habe ich mir ihre email-Adresse zwar gemerkt, aber ich war ihr wohl zu betrunken. Es ist ein sehr humorvoller, wenn auch gleichzeitig etwas trauriger Song.

Worauf freut ihr euch besonders heute abend?
Paul: Wir kennen die meisten Bands nicht. Ich kenne nur Nada Surf. Die hatten einen großen Hit: „Popular“. Daran erinnere ich mich. (singt: „popular“)
Lukas: Am meisten freue ich mich trotzdem auf die Musik. Ich mag es Bands zu sehen, die ich nicht kenne. Solche kleinen Festivals sind super – da kann man immer neue gute Bands entdecken.
Paul: Ja, die Leute kommen her wegen der Musik. Nicht nur, weil sie auf irgendeinem großen bekannten Festival dabei sein und trinken wollen. Hier geht’s es um die Musik. Nicht jeder wird alle Bands mögen, aber trotzdem behandeln die Leute alle mit Respekt. Das ist, was ich an kleinen Festivals mag.

Feiert ihr nach eurem Auftritt noch ein bisschen?
Paul: Na, ich denk schon.
Lukas: Wodka…
Paul: Oh nein, nicht schon wieder… (lacht)

Autor: Jürgen Mutz