Disko

Disko basti

Foto: Sebastian Gottschalk

Endlich war es so weit – die Freitagabende in der Theaterkneipe und im Jugendklub waren nicht mehr von der Hast bestimmt, einen Platz im Auto zum Samstagskonzert in Feldberg zu ergattern. Also, entspannen und den Moment genießen! Der Führerschein berechtigte ab sofort zu allen möglichen und unmöglichen Abfahrtszeiten und vor allem berechtigte er zum ausgiebigen Schweben in der Diskoblase nach dem Konzert. Niemand hatte mehr das Recht dich dort rauszupressen. Damals, Mitte der Neunziger, war der Jugendklub in Feldberg das bisschen Alternative, was die Gegend hier zu bieten hatte – mit Konzerten und eben einer Disko.

Draußen das Lagerfeuer, die Ruhe der Halbinsel Amtswerder, das Plätschern des Haussees bei Nacht – drinnen tobt The Jam. So hat sich's jedenfalls angefühlt. Meine Diskosozialisation. Die ersten zaghaften Schritte durch die Galaxie der Musikakrobatik im Raumschiff Indie auf dem Weg zum Planeten D.I.S.C.O. – wie es Erobique gerade in seiner Neujahrsansprache im Lido auf den Punkt brachte.

Der Planet D.I.S.C.O. Mit seinem Versprechen auf Augenzwinkerduelle und Konfettischlachten, Bassbeckenbodenmassagen und Bewegungstourette, dem Wiedersehen mit Freunden aus Polonaisien und mit Promilleparalysen. Aber auf dem Weg dorthin warten die unendlichen Weiten der Weltflucht. Sich treiben lassen und treiben lassen und treiben lassen. Tanzstile vernetzen und die Frisur zerzausen bis jedes einzelne Haar jede fühlbare Position eingenommen hat, die du dir vorstellen kannst. Das Leben für den Moment. Eine lebenslange Mission, die ich ernst nehme - jeden verdammten Freitag und Samstag auf dem Immergut ab zwei. Wir sehen uns im Raumschiff!    


Autor: Jürgen Mutz