Preoccupations

Preoccupation 003 14 v1 klein

Foto: Alessio Boni

Der Schlehen-Schnaps von Bernds Mutter hat schon eine kleine Staubschicht auf der Flaschenwölbung.
Ein kleines selbstbeschriftetes Schild schmückt sie sehr unprätentiös. Anders als der Whiskey - made in Berlin - daneben.
Der Moment, als der Opal (isländischer Lakritzschnaps) auf dem Regal entdeckt wird, leitet dann den raueren Teil des Abends ein, nachdem alle Hot Dogs mit Schmorzwiebeln weg sind.
Die geschmorten Zwiebeln von Madlen schmieren alle Mägen der Welt von innen ganz fein ein (Lob an Madlen) und sind ausnahmslos zu empfehlen.
Dann zum Konzert. Viele Gänsehäute bei der Gruppe AG Form. Niemand anderes traut sich dieser Zeit solche romantische Musik ohne Texte zu machen (Album ab Juli oder so).
Die Kunst von AG Form besteht darin, dich einzulullen (wie Schmor-Zwiebeln) und dann ganz woanders hinzuschicken, um dich dann aus deinem verirrten Zustand wieder abzuholen und gesagt zu bekommen, dass alles gut ist.

Ähnlich aber anders bei Calgarys zweiten großartigen Geburt nach Viet Cong (Preoccupations). Nicht wesentlich unromantischer.
Ein Labyrinth sagt dir, dass es vom Eingang zum Ausgang nur einen Weg gibt. Preoccupations' Post-Punk ist so ähnlich aber wieder anders.
Matt Flegels Reibeisen spricht die Sprache der langen mit Whiskey und Opal geschwängerten Nacht plus einer Packung Viceroys von Mac.
Refrains bestehen oft nur aus 2 Wörtern. Die Texte wirken schon ernst bevor man weiß was da gesungen wird. Hat man es dann raus, was die geraunt-langgezogen Sätze dann sagen, ist dann oft immer noch nicht klar, was da gesagt wird. Von dem bisschen Leere schickt dich der 3/4 Takt zum 7/8 und wieder zum 4/4 zurück. Beim fünften Mal hören kapierst du dann, wieviel verwaschen Raues du eigentlich alles hörst. Aufgelöst in den (un)romantisch-düstersten Arrangements.
Schmort die Zwiebeln, bald ist Immergut.
So lecker.

Autor: Matse

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