Angel Olsen

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Foto: Amanda Marsalis

Weltschmerz-Vormittag: Als die Frau die letzten Reste aus ihrem Plastikbecher durch den Plasikstrohhalm zieht und in den Schacht für Papier des S-Bahnhof Mülleimers wirft, kommt mir fast eine Träne. Der Tag war sowieso schon „im Eimer“ (Schneeregen im Gesicht) und nun sowas. Jetzt denke ich auch noch darüber nach, warum das traurig macht und ob es nicht Besseres zum Nachdenken gibt. Auch dachte ich, dass Becher wie diese nur noch in amerikanischen Großstadtserien vorkommen.

Dann fliegt noch eine Tauch-Möwe aus der Tier-Doku vom Vorabend an meinem inneren Auge vorbei (die, die nach kleinen Fischen tauchen, für 3 min. die Luft anhalten können und schönes Gefieder haben). Leider verfängt sie sich in einer Plastikhalterung für Sixpacks und stirbt (elendig).


Angel Olsen hat in den letzten fünf Jahren drei so bewegend ("umwerfend“) gute Hit-Alben veröffentlicht, die mitreißende Schlenker von Folk bis Pop hinter sich haben. 2016 dann endlich auch unüberhörbar in sämtlichen Jahres-Polls.

Sprachlich top! Einfache Wörter in schöner Reihenfolge aneinander gereiht, die grundlegendste, zwischenmenschliche Gefühle nachvollziehbar und erlebbar machen (Einsamkeit, Liebe, Verlassen-Werden).

Sich besser fühlen, weil es jemandem auch schon so oder sogar schlechter gegangen ist. Oder sich mal für ein Stündchen in Selbstmitleid ertränken. Alles geht.


Hier ein paar Lieblingszeilen:


„I need you to be the one to call“

„I want to be the bed you wished for“

„You’re the only person which I carry on my back"

„Are you lonely too? Hi-Five! So am I“


Den Weltschmerz-Zitter-Gesang zieht sie durch und dich eigentlich immer gleich mit (wenn du noch Mensch bist).


Holt die Lametta Perücken raus - Angel Olsen spielt in diesem Jahr ihre einzige deutsche Festivalshow an unserem 18. Geburtstag!


Autor: Matse

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